Das Zonenkonzept ist eines der zentralen Planungswerkzeuge der Permakultur. Es ordnet Elemente eines Gartens oder einer Siedlung nach der Häufigkeit menschlicher Nutzung und dem damit verbundenen Pflegeaufwand. Wer häufig benötigte Pflanzen und Werkzeuge nah am Haus platziert und extensiv gepflegte Bereiche an den Rand verlagert, reduziert unnötige Wege, spart Energie und gestaltet das System dauerhaft wartungsärmer.
1. Grundprinzip: Raum als Funktion von Aufmerksamkeit
Aus dieser Beobachtung folgt eine räumliche Logik: Elemente mit hohem Pflegebedarf kommen in Haushaltsnähe, selten besuchte oder selbstregulierende Bereiche an die Peripherie. Das Konzept beschreibt kein starres Raster, sondern ein Kontinuum zunehmender Extensivierung vom Zentrum nach außen. In der Praxis werden üblicherweise fünf bis sieben Zonen unterschieden, wobei Zone 0 das Gebäude selbst bezeichnet und die äußeren Zonen in naturnahe oder vollständig sich selbst überlassene Flächen übergehen.[2]
Hinweis zur Geometrie: Die Zonen sind keine konzentrischen Kreise auf dem Reißbrett. Topographie, Windschutz, vorhandene Bäume, Wasserzugang und individuelle Gewohnheiten formen die tatsächliche Zonengeometrie. Ein Hang, der täglich passiert wird, kann trotz größerer Entfernung funktional Zone 1 sein; eine schwer zugängliche Ecke nahe am Haus kann Zone 3 entsprechen.
2. Die Zonen im Einzelnen
Zone 0 ist das Wohnhaus, die Wohnung oder das Betriebsgebäude selbst. Im Permakultur-Design beginnt die Planung hier: Ausrichtung nach Süden zur passiven Solarnutzung, Dämmung, Regenwassersammlung vom Dach, Grauwasserrecycling und die Anlage von Fensterbänken oder Innengewächshäusern für die Anzucht. Die Energiebilanz des Gebäudes ist der erste Hebel, bevor der Garten gestaltet wird.[1]
Typische Elemente: Anzuchtfenster, Wurmkiste in der Küche, Regenwasserzisterne am Fallrohr, Solarkollektoren.
Zone 1 umfasst jene Bereiche, die mehrmals täglich aufgesucht werden: Kräuter zum Kochen, Salate, Radieschen, Tomaten, Chilis und andere Pflanzen mit kurzen Erntezeiträumen oder hohem Wasserbedarf. Diese Zone liegt idealerweise direkt am Hausausgang oder an einem täglich genutzten Weg. Je kürzer der Weg, desto wahrscheinlicher die regelmäßige Pflege.[2]
Typische Elemente: Hochbeete, Kräuterspirale, Anzuchttöpfe, Frühbeet, kleine Komposttonne für Küchenabfälle.
Pflanzenbeispiele: Basilikum, Petersilie, Schnittlauch, Minze, Salat, Tomate, Zucchini, Erdbeere.
Zone 2 nimmt Kulturen auf, die regelmäßige, aber nicht zwingend tägliche Pflege benötigen. Hier finden sich Beete mit Wurzelgemüse, Hülsenfrüchten und Kohlarten, aber auch Kleintiergehege wie Hühner- oder Kaninchenställe, deren tägliche Versorgung mit dem Besuch der Zone verbunden wird. Die räumliche Verknüpfung von Tierhaltung und Beet nutzt Mist als kurze Nährstoffschleife.[3]
Typische Elemente: Hügelbeete, Hauptkomposthaufen, Hühnerstall mit angrenzendem Auslauf auf Beeten nach der Ernte, Regentonnen.
Pflanzenbeispiele: Möhre, Pastinake, Bohne, Erbse, Brokkoli, Blumenkohl, Kohl, Kürbis, Rote Bete.
Zone 3 nimmt mehrjährige Gehölze auf, die nach der Etablierungsphase wenig Pflege benötigen: Obstbäume, Beerensträucher, Nussbäume. Die Ernte ist saisonal konzentriert; zwischen den Ernteperioden sind nur gelegentliche Besuche nötig. Diese Zone eignet sich für Agroforstsysteme, in denen Bäume, Sträucher und Bodendeckerpflanzen in Schichten kombiniert werden.[4]
Typische Elemente: Apfel-, Birnen-, Pflaumen- und Walnussbäume, Himbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren, Holunder; Mulchstreifen unter den Bäumen.
Pflanzenbeispiele unter den Bäumen: Kapuzinerkresse, Ringelblume, Borretsch, Beinwell als Mulchlieferant und Nützlingsmagnet.
Zone 4 wird nur gelegentlich bewirtschaftet. Typische Nutzungen sind extensive Weidehaltung, Holzgewinnung aus Niederwald, Wildkräutersammlung und die Anlage von Teichen zur Wasserretention. Der Eingriff beschränkt sich auf das Notwendige; Selbstregulation hat Vorrang vor aktiver Steuerung.[1]
Typische Elemente: Streuobstwiesen mit extensiver Mahd, Weidezäune, Teich, Totholzhaufen als Habitatstruktur, Niederwaldparzellen.
Zone 5 ist dem menschlichen Eingriff weitgehend entzogen. Sie dient als Referenzfläche: Hier kann beobachtet werden, wie sich natürliche Sukzession ohne Steuerung entwickelt. Gleichzeitig bietet diese Zone Rückzugsraum für Wildtiere und schützt das Gesamtsystem als Pufferzone. In Kleingärten ist Zone 5 oft nur ein Quadratmeter ungepflegter Ecke, ein Totholzstapel oder eine ungemähte Staudenreihe an der Grenze.[2]
Typische Elemente: Benjeshecken, Steinhaufen, ungepflegte Wildblumenstreifen, Feuchtbiotope, alter Baumbestand.
3. Zonenplanung in der Praxis
Die Umsetzung des Zonenkonzepts beginnt mit einer Begehungsanalyse: Wo verlaufen die tatsächlichen Alltagswege? Welche Bereiche werden instinktiv gemieden? Mollison empfahl, nach einem Jahr Beobachtung die eigenen Trampelpfade im Garten zu kartieren — sie zeigen zuverlässig, wo Zone 1 tatsächlich liegt, unabhängig von der ursprünglichen Planung.[1]
Für kleinere Flächen unter 500 Quadratmetern sind in der Regel Zone 0 bis Zone 2 realistisch, ergänzt durch symbolische Elemente der Zonen 4 und 5 (Totholzhaufen, Wildblumenstreifen). Größere Flächen ab einem Hektar erlauben die Umsetzung aller Zonen einschließlich echter Agroforstelemente in Zone 3 und Weidewirtschaft in Zone 4.[3]
| Zone | Bezeichnung | Besuchsfrequenz | Typisch ab Flächengröße | Selbstregulationsgrad |
|---|---|---|---|---|
| 0 | Gebäude | Kontinuierlich | Jede Größe | Gering |
| 1 | Küchen- und Kräutergarten | Mehrmals täglich | Ab 10 m² | Gering |
| 2 | Gemüsegarten, Kleintierhaltung | Täglich | Ab 50 m² | Mittel |
| 3 | Obstgarten, Agroforst | Wöchentlich bis saisonal | Ab 300 m² | Hoch |
| 4 | Extensivfläche, Weideland | Gelegentlich | Ab 2.000 m² | Sehr hoch |
| 5 | Wildnis, Ruheraum | Selten, beobachtend | Ab 1 m² (symbolisch) | Vollständig |
4. Sektorenanalyse als Ergänzung
Das Zonenkonzept beschreibt die Verteilung von Elementen nach Nutzungsintensität, berücksichtigt jedoch keine Richtungsabhängigkeiten. Diese Lücke schließt die Sektorenanalyse, die Mollison ebenfalls in seinem Designers' Manual beschreibt.[1] Sie kartiert externe Energieflüsse — Sonne, Wind, Wasser, Lärm, Blickachsen — als Sektoren, die über das Grundstück hineinwirken. Erst die Überlagerung von Zonen und Sektoren ergibt einen vollständigen Planungsrahmen.
Ein Beispiel: Zone 1 liegt idealerweise nahe am Südeingang des Hauses (kurzer Weg, gute Besonnung). Der Sektorenplan zeigt jedoch, dass von Nordwest dominanter Wind einfällt. Die Zone-1-Planung muss diesen Windsektor berücksichtigen und schützende Elemente — Hecke, Zaun, Mauer — so positionieren, dass sie den Kräutergarten abschirmen, ohne ihn zu beschatten.[2]
5. Zonenkonzept und Energieeffizienz
Der energetische Vorteil des Zonenkonzepts ist quantifizierbar. Holmgren (2002) verweist auf Studien aus der Landwirtschaftswissenschaft, die zeigen, dass Wegzeiten in konventionellen Gärten und Kleinbetrieben bis zu 30 % der gesamten Arbeitszeit ausmachen können.[3] Eine konsequente Zonenplanung reduziert diese Wegzeiten systematisch, indem sie die räumliche Anordnung an die tatsächlichen Arbeitsabläufe anpasst statt umgekehrt.
Darüber hinaus minimiert die Verlagerung pflegeintensiver Elemente in Haushaltsnähe das Risiko, dass Pflanzen durch verpasste Pflege eingehen. Kräuter, die täglich geschnitten werden sollten, halten produktiv länger durch; Gemüse, das bei erster Reife geerntet werden muss, wird nicht überständig. Der Ertrag steigt nicht durch mehr Arbeit, sondern durch bessere räumliche Organisation derselben Arbeitsmenge.[4]
6. Anwendungsbeispiel: Stadtgarten mit 200 m²
- Zone 0: Einfamilienhaus; Regenwasserzisterne 1.000 Liter am Fallrohr, Anzuchtfenster Küche Südseite.
- Zone 1 (ca. 15 m²): Kräuterspirale direkt neben Terrassentür; zwei Hochbeete für Salat, Tomate, Basilikum, Schnittlauch.
- Zone 2 (ca. 80 m²): Hauptgemüsegarten mit Hügelbeeten; Kompostanlage (Heiß- und Reifebeet); Beerensträucher entlang der Westgrenze als Windschutz.
- Zone 3 (ca. 80 m²): Zwei Apfelbäume auf Halbstamm; Johannisbeeren und Stachelbeeren als Unternutzung; Ringelblumen und Kapuzinerkresse als Begleitpflanzen.
- Zone 5 (ca. 25 m²): Nordostecke; Totholzhaufen, Benjeshecke aus Schnittgut, ungepflegter Wildblumenstreifen.
Dieses Beispiel verzichtet auf Zone 4, da die Flächengröße keine echte Extensivwirtschaft erlaubt. Die Nordostecke als Zone 5 erfüllt dennoch wichtige Funktionen: Habitatstruktur für Nützlinge, Lernraum für Sukzessionsbeobachtung und Pufferzone gegen den Nachbargarten.
7. Zonenkonzept und die weiteren Artikel dieser Serie
Das Zonenkonzept liefert den räumlichen Rahmen für alle weiteren Planungsentscheidungen der Serie. Mischkulturen (Artikel 3) werden in den Zonen 1 und 2 platziert; Bodenaufbau durch Hügelbeete (Artikel 4) betrifft primär Zone 2; Kräuterspiralen (Artikel 5) sind ein klassisches Zone-1-Element; das Schädlingsmanagement mit Push & Pull (Artikel 6) arbeitet mit der Zonierung, indem Lockpflanzen bewusst an Zonengrenzen positioniert werden. Das Pflanzauswahl-Werkzeug (Artikel 7) berücksichtigt Zoneneignung als Filterkriterium.
Literatur und Quellen
- Mollison, B. (1988). Permaculture: A Designers' Manual. Tagari Publications, Tyalgum. Kapitel 2: Design Methods.
- Holmgren, D. (2002). Permaculture: Principles and Pathways Beyond Sustainability. Holmgren Design Services, Hepburn. S. 84–102.
- Jacke, D. & Toensmeier, E. (2005). Edible Forest Gardens, Vol. 2: Design and Practice. Chelsea Green Publishing, White River Junction. S. 56–71.
- Whitefield, P. (2004). The Earth Care Manual: A Permaculture Handbook for Britain and Other Temperate Climates. Permanent Publications, East Meon. S. 33–49.
- Bild: Album Vilmorin. Le Jardin Potager / The Vegetable Garden (1866)

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