Kaltpressung
Kaltpressung klingt nach einem einheitlichen Verfahren. In Wirklichkeit verbergen sich hinter diesem Begriff zwei grundlegend verschiedene Prozesse, die außer dem Verzicht auf externe Wärmezufuhr kaum etwas gemeinsam haben: die mechanische Pressung ölreicher Samen und Früchte zur Gewinnung fetter Pflanzenöle auf der einen Seite – und die Abrasion von Zitrusfruchtschalen zur Gewinnung ätherischer Öle auf der anderen. Beide Methoden folgen rein physikalisch-mechanischen Prinzipien; Lösungsmittel, externe Wärme und chemische Hilfsstoffe spielen keine Rolle. Genau das macht ihre Produkte so wertvoll – und ihre korrekte Durchführung so anspruchsvoll.
Zwei Verfahren unter einem Namen – eine notwendige Unterscheidung
Der Ausdruck „kaltgepresst" begegnet auf Speiseölflaschen ebenso wie auf Flakons mit Bergamottöl. Hinter dieser scheinbaren Einheitlichkeit verbergen sich zwei Prozesse, die separat betrachtet werden müssen, da sie unterschiedliche Rohstoffe, unterschiedliche physikalische Prinzipien und unterschiedliche Endprodukte haben.
Verfahren A: Pressung fetter Öle
Rohstoffe: Ölreiche Samen, Kerne und Früchte – Raps, Lein, Hanf, Sonnenblume, Walnuss, Olive, Kürbiskern, Schwarzkümmel, Mandel.
Prinzip: Mechanischer Druck bricht die Zellwände auf und presst das in den Fettzellen (Lipiddroplets/Oleosomen) gespeicherte fette Öl heraus. Das Öl ist das Speicherlipid der Pflanze – kein flüchtiges Aromaöl.
Produkt: Fettes, nicht-flüchtiges Pflanzenöl (Triglyceride). Hinterlässt auf Papier einen bleibenden Fettfleck.
Verfahren B: Abrasion von Zitrusschalen
Rohstoffe: Ausschließlich die Schalen von Zitrusfrüchten – Zitrone, Orange, Bergamotte, Grapefruit, Mandarine, Limette.
Prinzip: Mechanisches Aufbrechen der Öldrüsen (Schizolysingänge/Otrikolen) in der äußersten Schalenschicht, dem Flavedo. Das freigesetzte Öl wird mit Wasser abgewaschen und zentrifugiert.
Produkt: Ätherisches Zitrusöl (flüchtig, terpenreich). Verdunstet rückstandsfrei von Papier.
Diese Unterscheidung ist nicht akademisch, sondern praktisch relevant: Wer Leinöl kaltpressen möchte, braucht eine Schneckenpresse und ölreiche Samen. Wer Zitronenöl gewinnen möchte, braucht eine Reibe und Zitronenschalen – und keinen Druck im technischen Sinne. Die Verwechslung dieser beiden Prozesse ist die häufigste Quelle von Missverständnissen beim Thema Kaltpressung.
Physik und Technik der Samenpressung – fette Öle
Zellmechanik unter Druck
Ölreiche Samen speichern ihre Energiereserve in Form von Triglyceriden in membranumschlossenen Lipidvakuolen, den sogenannten Oleosomen (auch Lipidkörper oder Sphärosomen genannt). Diese sind in das Zellinnere eingebettet und durch die umgebende Zellwand geschützt. Die Kaltpressung nutzt mechanischen Druck, um zunächst die Zellwand und dann die Oleosomenmembranen zu zerreißen, das Öl freizusetzen und durch feine Siebspalten aus der Pressmasse heraustreten zu lassen. Es handelt sich um einen rein physikalischen Vorgang ohne jeden Lösungsmittelanteil – kein Stoff wird gelöst, sondern ausschließlich mechanisch befreit.
Entscheidend für die Ausbeute ist die Voraufbereitung des Saatguts. Rohes, intaktes Saatgut gibt unter Druck nur einen Bruchteil seines Ölgehalts ab, weil elastische Zellwände dem Druck zunächst nachgeben, ohne zu brechen. Durch Quetschwalzen oder Schrotmühlen wird das Material vorzerkleinert und die Zellstruktur vorgebrochen – erst dann ist eine effiziente Pressung möglich. Bei Hartschalensamen wie Rapssaat oder Sonnenblumenkernen ist dieser Schritt obligatorisch; bei weichen Ölfrüchten wie Oliven kann er entfallen.
Die Schneckenpresse – Standardaggregat der Kaltpressung
Moderne Ölmühlen und auch die im Heimbereich erhältlichen elektrischen Ölpressen arbeiten nach dem Prinzip der Schnecken- oder Expellerpresse: Eine rotierende Förderschnecke bewegt das Pressgut durch einen sich verjüngenden Kanal, in dem der Druck kontinuierlich ansteigt. Das Öl tritt durch feine Schlitze im umgebenden Siebzylinder (Seiher) aus, während der Presskuchen am Ende des Kanals ausgestoßen wird. Die wichtigste physikalische Nebenwirkung dieses Verfahrens ist unvermeidlich: Reibungswärme. Je nach Einstellung, Durchsatz und Ölgehalt des Materials kann die Temperatur des austretenden Öls bei Heimgeräten auf 40–70 °C steigen – auch wenn von außen keine Wärme zugeführt wird.
Damit wird die Bezeichnung „kaltgepresst" im Heimbereich zum Interpretationsproblem. Die EU-Verordnung Nr. 29/2012 definiert für Olivenöl die Bezeichnung „erste Kaltpressung" rechtlich präzise: Das Öl muss bei höchstens 27 °C gewonnen worden sein. Diese Schwelle ist mit schlecht geregelten Heimpressen kaum zuverlässig einzuhalten. Für empfindliche Öle wie Leinöl oder Hanföl, bei denen α-Linolensäure dominiert, sind Temperaturen über 40 °C ein echter Qualitätsverlust: Die mehrfach ungesättigten Fettsäuren oxidieren schneller, und die Bildung von Lipidperoxiden beginnt.
Presskuchen – das unterschätzte Nebenprodukt
Der nach der Pressung verbleibende Ölkuchen enthält je nach Verfahren noch 8–15 % Restöl, das durch einfache Pressung nicht mehr gewonnen werden kann. Industriell wird dieser Rückstand durch Lösungsmittelextraktion (Hexan) vollständig ausgebeutet – ein Verfahren, das kaltgepresstes Qualitätsöl von Raffinerieware grundlegend unterscheidet. Der Ölkuchen ist proteinreich und wird als Tierfutter oder Düngemittel verwendet; bei Nüssen und Mandeln ist er als Mehlersatz in der Küche verbreitet.
Wirkstoffprofil fetter Öle
Im Gegensatz zur Destillation, bei der nur flüchtige Substanzen übergehen, erfasst die Kaltpressung das gesamte lipophile Wirkstoffspektrum: Triglyceride, Phospholipide, Sterole (z. B. β-Sitosterin), fettlösliche Vitamine (insbesondere Vitamin E als natürliches Antioxidans), Carotinoide sowie pflanzenspezifische Begleitstoffe, die dem Öl Aroma und Farbe verleihen. Diese Inhaltsstoffdichte ist der zentrale Qualitätsvorteil kaltgepresster Öle gegenüber raffinierten Produkten, bei denen Entschleimung, Bleichung und Desodorierung systematisch Begleitstoffe entfernen.
Die Anatomie der Zitrusfrucht und das Prinzip der Abrasion
Wo das Öl sitzt – der Flavedo
Zitrusfrüchte speichern ihre ätherischen Öle nicht gleichmäßig im Gewebe verteilt, sondern in hochspezialisierten, mit bloßem Auge erkennbaren Strukturen: den Öldrüsen (botanisch: Schizolysingänge, auch Otrikolen genannt), die ausschließlich in der äußersten Schalenschicht, dem Flavedo (der farbigen Schale, auch Exokarp), lokalisiert sind. Das unmittelbar darunter liegende, weiße, schwammartige Gewebe – das Albedo – enthält kein ätherisches Öl, ist aber reich an Pektin und Bitterstoffen, die bei zu tiefem Abrieb in das Öl-Wasser-Gemisch übergehen und die Qualität beeinträchtigen.
Die Kunst der Zitrusölgewinnung besteht daher darin, ausschließlich den Flavedo mechanisch aufzubrechen, ohne das Albedo zu verletzen. Zu tiefer Abrieb bringt Pektin und Bitterstoffe ins Öl und verändert dessen Profil nachteilig. Dieses Prinzip gilt für Handmethoden ebenso wie für industrielle Maschinen.
Traditionelle Handmethoden – Sfumatura und Écuelle à piquer
Vor der Mechanisierung im 20. Jahrhundert wurden Zitrusöle in aufwendiger Handarbeit gewonnen. Zwei Methoden haben historische Bedeutung:
- Sfumatura (aus Kalabrien und Sizilien): Die halbierten Früchte wurden von Hand über einen mit Naturborsten besetzten Schwamm gerieben. Das Öl-Wasser-Gemisch sättigte den Schwamm, der regelmäßig in ein Auffanggefäß ausgepresst wurde. Ein erfahrener Arbeiter schaffte in einem Arbeitstag etwa 3 kg Bergamottöl – eine außerordentliche Menge für die damaligen Verhältnisse. Das Verfahren lieferte durch minimale mechanische Belastung und vollständigen Verzicht auf Wärme ein qualitativ außergewöhnliches Öl. Echtes sfumatura-Bergamottöl ist heute eine Rarität auf dem Weltmarkt.
- Écuelle à piquer (aus Grasse/Provence): Eine schalenförmige Schüssel mit innen angebrachten Metallspitzen. Die Zitrusfrucht wurde rotierend über die Spitzen bewegt, die punktuell die Öldrüsen im Flavedo aufstachen. Das austretende Öl sammelte sich im Becken. Auch diese Methode war handwerklich geprägt und ist heute industriell nicht mehr relevant, in spezialisierten Manufakturen jedoch noch anzutreffen.
Industrielle Verfahren – Sfumatrice, Pelatrice und Zentrifuge
Die heutige industrielle Gewinnung von Zitrusölen erfolgt ausschließlich maschinell. Dominierend ist das Sfumatrice-Verfahren: Die ganzen Früchte oder nur die Schalen werden in trommelartigen Kammern mit Raspelelementen abgerieben. Wasser wird kontinuierlich zugeführt, um das austretende Öl als Öl-Wasser-Emulsion abzutransportieren. Dieses Gemisch wird in Zentrifugen getrennt: Da ätherische Zitrusöle leichter als Wasser sind (Dichte typischerweise 0,84–0,86 g/ml), schwimmen sie oben und werden kontinuierlich abgezogen.
Bei der Pelatrice werden die Fruchtschalen gegen rotierende Schleifscheiben geführt. Sie wird bevorzugt eingesetzt, wenn Fruchtsaft und Schalenöl gleichzeitig gewonnen werden sollen – etwa bei der Orangenverarbeitung, bei der beide Produkte gleichwertige Handelsware sind.
Pflanzentypische Besonderheiten
Sowohl bei den fetten Ölen als auch bei den Zitrusölen bestimmt die Botanik des Rohstoffs entscheidend, wie gepresst werden muss und welche Produktqualität realistisch erreichbar ist.
Olivenöl (Olea europaea)
Olivenöl ist der einzige gängige Fall, bei dem eine ölreiche Frucht (statt eines Samens) gepresst wird. Das Öl sitzt im Fruchtfleisch (Mesokarp), nicht im Kern. Die Früchte werden durch Mahlsteine oder Metallhämmer zu einer Paste zerkleinert, die dann gepresst oder zentrifugiert wird. Die EU-Verordnung Nr. 29/2012 schreibt für die Bezeichnung „erste Kaltpressung" eine Maximaltemperatur von 27 °C und ein traditionelles Presssystem vor. Qualitätsentscheidend sind Erntezeitpunkt (früh = bitteres, polyphenolreiches Öl; spät = mild, aber weniger Antioxidantien), Ernteschäden (mechanische Verletzungen erhöhen freie Fettsäuren durch enzymatische Prozesse) und Verarbeitungszeit (unter 24 h nach der Ernte ist Standard für Qualitätsbetriebe).
Leinöl (Linum usitatissimum)
Leinöl ist das empfindlichste aller gebräuchlichen Pressöle. Mit einem Gehalt von bis zu 60 % α-Linolensäure (Omega-3) ist es außerordentlich oxidationsempfindlich. Die Qualität kann bei unsachgemäßer Verarbeitung innerhalb von Tagen irreversibel sinken. Für die Heimherstellung gilt: nur kleine Mengen pressen, sofort in lichtdichte Flaschen füllen, Luftraum minimieren und im Kühlschrank lagern. Die Presstemperatur sollte 30 °C nicht überschreiten – mit Heimgeräten nur durch langsamen Betrieb mit Pausen erreichbar. Ungepresstes Saatgut hält sich kühl und trocken jahrelang; das fertige Öl sollte innerhalb von 4–8 Wochen verbraucht werden.
Bergamotte (Citrus bergamia)
Bergamottöl aus Kalabrien gilt als eines der edelsten Zitrusöle, zentral für klassische Eau-de-Cologne-Kompositionen. Das Öl wird ausschließlich aus dem Flavedo kaltgepresst; die Frucht selbst ist wegen ihrer Bitterkeit als Nahrungsmittel ungeeignet. Bergamottöl enthält Bergapten (5-Methoxypsoralen), ein Furanocumarin mit stark photosensibilisierender Wirkung: Direkter Hautkontakt gefolgt von UV-Exposition kann intensive, persistierende Pigmentierungen verursachen. Bergaptenfreies Bergamottöl (durch Vakuumdestillation oder Aktivkohleadsorption hergestellt) ist für kosmetische Anwendungen die sichere Alternative. Dieser Sicherheitsaspekt gilt für die Heimgewinnung unbedingt zu beachten.
Schwarzkümmelöl (Nigella sativa)
Schwarzkümmelöl hat erhebliches medizinisches Interesse geweckt, insbesondere wegen seines Gehalts an Thymochinon, einem Benzochinon-Derivat mit gut belegten antioxidativen und immunmodulierenden Eigenschaften. Der Ölgehalt liegt bei ca. 28–35 %, was eine gute Pressausbeute ermöglicht. Die kleinen, harten Samen müssen für eine effiziente Extraktion vorgebrochen werden; ganze Samen liefern in Heimpressen sehr schlechte Ausbeuten. Thymochinon ist relativ hitzeempfindlich, was die Temperaturkontrolle bei der Pressung wichtiger macht als bei robusteren Ölen. Die tiefschwarze bis dunkelgrüne Farbe des kaltgepressten Öls ist pflanzentypisch und kein Qualitätsmangel.
Heimanwendung – ein realistisches Bild
Fette Öle: möglich, mit Einschränkungen
Elektrische Schneckenpressen für den Haushalt sind ab ca. 100–350 EUR im Fachhandel erhältlich und für eine Reihe von Ölsaaten gut geeignet: Kürbiskerne, Sonnenblumenkerne, Walnüsse, Haselnüsse, Mandeln, Sesam. Für empfindliche Öle wie Lein oder Hanf sind Qualitätseinbußen durch Reibungswärme realistisch, sofern die Presse nicht aktiv gekühlt wird. Für sehr kleine, harte Samen wie Raps ist die Heimanwendung apparativ anspruchsvoll und die Ausbeute gering.
Qualitätskontrolle ohne Labor: Ein Infrarot-Thermometer misst die Temperatur des austretenden Öls. Über 40 °C: Pause einlegen und Gerät abkühlen lassen. Das Öl sollte direkt nach der Pressung klar bis leicht trüb sein; starke Trübung deutet auf Presseneinstellung oder Rohstofffeuchte hin.
Zitrusöle: Heimvariante nach Sfumatura-Prinzip
Industrielle Zentrifugation ist zu Hause nicht realisierbar. Eine praktikable Heimvariante ist jedoch möglich:
- Nur die farbige Außenschale (Flavedo) mit einer feinen Reibe abraspeln; dabei über einem Auffanggefäß arbeiten. Nicht bis ins Weiße reiben.
- Die geraspelte Schale in ein feines Tuch geben und fest ausdrücken.
- Das trübe Öl-Wasser-Gemisch in einem engen Glas mindestens 24 h stehen lassen – das Öl steigt oben auf und kann abpipettiert werden.
- Ausbeute: aus 5–6 Biozitronen ca. 0,5–1 ml Öl. Gering, aber von außergewöhnlicher Frische und Authentizität.
Ausschließlich zertifiziertes Biobest-Obst verwenden – fettlösliche Pestizide aus konventionellem Anbau reichern sich im Schalenöl an.
Kritische Parameter & Sicherheitshinweise
Pestizide in Zitrusölen
Da die Kaltpressung ausschließlich die Schalenstruktur bearbeitet, gehen alle lipophilen Pestizide auf oder in der Schale unmittelbar in das Öl über. Pyrethroide, Organophosphate und viele Fungizide sind fettlöslich und werden durch die Kaltpressung konzentriert, nicht verdünnt – anders als beim Fruchtsaft, der primär aus dem Fruchtfleisch stammt und Schalenpestizide kaum enthält. Ausschließlich zertifiziertes Biobest-Obst verwenden; der Begriff „unbehandelt" ist rechtlich nicht ausreichend definiert.
Furanocumarine – Photosensibilisierung
Bergamotte, Grapefruit und Limette enthalten relevante Mengen photosensibilisierender Furanocumarine (Bergapten, Psoralen). Kaltgepresste Öle dieser Früchte auf der Haut angewendet und anschließend UV-Licht ausgesetzt: Risiko phototoxischer Reaktionen (Rötung, Blasenbildung, persistierende Hyperpigmentierung). Sichere Alternative: destillierte Zitrusöle, bei denen Furanocumarine im Rückstand verbleiben.
Haltbarkeit kaltgepresster Öle
Zitrusöle: hoher Monoterpengehalt (> 90 % Limonen bei Orangen- und Zitronenöl) macht sie besonders oxidationsempfindlich. Angebrochen innerhalb von 6–12 Monaten verbrauchen; immer in dunklen Glasflaschen kühl lagern.
Fette Öle: je nach Fettsäureprofil 4 Wochen (Leinöl, gekühlt) bis mehrere Jahre (Jojobaöl, Kokosöl). Indikator für Ranzigkeit: typisch talgiger, seifiger Geruch – dann verwerfen, nicht weiter verwenden.
Ausbeuten und Kennwerte im Überblick
Heimausbeuten liegen typischerweise 20–40 % unter den angegebenen Werten, bedingt durch apparative Verluste und unvollständige Zellaufbereitung.
| Rohstoff | Verfahren | Ölgehalt | Heimausbeute (ca.) | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Olivenöl Olea europaea | Paste → Presse/Zentrifuge | 12–25 % (Fruchtfleisch) | 80–150 ml / kg Frucht | EU-Regulierung: Temp. ≤ 27 °C für Bezeichnung „erste Kaltpressung" |
| Kürbiskernöl Cucurbita pepo | Schneckenpresse | 35–50 % | 200–300 ml / kg Kerne | Steirisch: Kerne vorgeröstet (dann kein Kaltpressöl im engeren Sinne) |
| Leinöl Linum usitatissimum | Schneckenpresse | 38–45 % | 200–280 ml / kg Samen | Extrem oxidationsempfindlich; Presstemperatur ≤ 30 °C zwingend |
| Schwarzkümmelöl Nigella sativa | Schneckenpresse (Samen vorbrechen) | 28–35 % | 150–220 ml / kg Samen | Thymochinon hitzeempfindlich; dunkles Öl typisch |
| Zitronenöl Citrus limon | Abrasion (Sfumatrice / Heimreibe) | 0,2–0,4 % (Frischschale) | 0,5–1 ml / 5–6 Früchte | Nur Bio-Ware; sehr hoher Limonengehalt, rasch oxidierend |
| Bergamottöl Citrus bergamia | Abrasion (Sfumatrice) | 0,3–0,6 % (Frischschale) | 1–2 ml / 6–8 Früchte | Bergapten → Photosensibilisierung; nur Bio-Ware verwenden |
Weiterführende Fachliteratur
Alle nachfolgend genannten Werke wurden auf ihre Existenz geprüft (SpringerLink, Deutsche Nationalbibliothek, Buchhandelsverzeichnis VLB):
- Matthäus B., Brühl L.: Handbuch Native Pflanzenöle. Agrimedia GmbH & Co. KG, 2008. ISBN 978-3-86037-304-2. — Standardwerk zur Kaltpressung fetter Öle mit ausführlichen Kapiteln zu Rohstoffqualität, Presstechnik, Ausbeute und Qualitätssicherung.
- Belitz H.-D., Grosch W., Schieberle P.: Lehrbuch der Lebensmittelchemie. 6. Auflage, Springer-Verlag, 2008. DOI 10.1007/978-3-540-69934-1. — Kapitel „Lipide": Fettsäuren, Oxidationsmechanismen und Herstellungsverfahren pflanzlicher Öle.
- Carle R. (Hrsg.): Ätherische Öle – Anspruch und Wirklichkeit. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 1993. — Enthält Kapitel zur Expression von Zitrusölen einschließlich traditioneller und industrieller Gewinnungsverfahren.
- Europäische Union: Durchführungsverordnung (EU) Nr. 29/2012 der Kommission vom 13. Januar 2012, Amtsblatt L 12/14. — Rechtsverbindliche Definition der Begriffe „erste Kaltpressung" (Art. 5a) und „Kaltextraktion" (Art. 5b) für Olivenöle.
- Blaschek W. (Hrsg.): Wichtl – Teedrogen und Phytopharmaka. 6. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2016. ISBN 978-3-8047-3068-7. — Monographien zu Schwarzkümmel und Leinöl mit Angaben zu Inhaltsstoffen und pharmazeutischer Qualität.
Die Ausbeute-Richtwerte basieren auf publizierten Literaturwerten und wurden konservativ für Heimanwendungsbedingungen angepasst. Industrielle Ausbeuten liegen systematisch höher. Angaben zu historischen Gewinnungsmethoden (Sfumatura, Écuelle à piquer) sind durch Sekundärliteratur zur Parfümgeschichte und zur Zitrusölgewinnung in Kalabrien belegt.
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